Der Straßenverkehr wird dichter und vielfältiger und damit nimmt die Gefahr auf engem Raum zu. Prävention, Aufklärung und konsequente Verkehrskontrollen sind daher wichtiger denn je. Hier setzt die hessische Polizei auf gezielte Kontrollen mit modernster Technik. Schon im letzten Jahr haben wir unsere Flotte der Einsatzfahrzeuge mit Blick auf Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen modernisiert. Die neuen ViNAS-Fahrzeuge (´Video-Nachfahrsystem Autobahnen und Schnellstraßen`) ersetzen die veralteten ProVida-Fahrzeuge und ermöglichen präzisere Aufzeichnungen von Verstößen. Auch regelmäßige Schwerpunktkontrollen sorgen für höhere Sensibilisierung und mehr Sicherheit auf den hessischen Straßen.
In Hessen liegt ein besonderes Augenmerk auf der Bekämpfung von gefährlichem Rasen und illegalen Autorennen. Hierfür wurden spezialisierte Kontrollgruppen aufgestellt, die auch neue zivile Videostreifenfahrzeuge einsetzen, um riskantes Fahrverhalten und illegale Rennen zu dokumentieren und zu verfolgen. Raser und Profilierungsfahrer sind eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit auf unseren Straßen. Mit ihrem rücksichtslosen und egoistischen Fahrstil gefährden sie andere Verkehrsteilnehmer teilweise sogar lebensbedrohlich. Illegale Autorennen sind keine Bagatellen, sondern schwerste Straftaten mit hohem Risiko für Unbeteiligte. Umso wichtiger ist das konsequente Handeln der Polizei.
Jeder einzelne Verkehrsteilnehmer trägt eine hohe persönliche Verantwortung: Wer mit Vorsicht, Rücksicht und gegenseitigem Respekt am Straßenverkehr teilnimmt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch andere; egal, ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer. Gerade angesichts der wachsenden Vielfalt der Verkehrsmittel auf unseren Straßen gilt, dass Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme unverzichtbar sind. Leider sehen wir immer wieder, dass dieses Verhalten keine Selbstverständlichkeit ist. Deshalb danke ich den vielen Verkehrsteilnehmern für ihr umsichtiges Handeln und ich appelliere an diejenigen, die bislang Regeln gebrochen haben, in Zukunft ihrer Verantwortung gerecht zu werden.”
E-Scooter sind kein Spielzeug, sondern ein Risikofaktor
Ein besonders alarmierender Trend ist der massive Anstieg der Unfälle mit E-Scootern. Hier verzeichnen wir einen Zuwachs von 39,2 Prozent auf 1.505 Unfälle (2024: 1.081). Dabei wurden 1.011 Personen verletzt (+42 % im Vergleich zu 2024). Fünf Menschen haben im letzten Jahr bei Unfällen mit E-Scootern ihr Leben verloren.
Besonders betroffen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Im letzten Jahr gab es 780 Unfälle in diesen Altersgruppen, davon vier Tote und 63 Schwerverletzte. Innenminister Poseck ergänzte: „E-Scooter sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken, doch mit ihrer wachsenden Verbreitung steigen auch die Risiken. Viele Nutzer unterschätzen die Tücken dieser Fahrzeuge: Kleine Räder, die selbst bei kleinen Unebenheiten ins Straucheln geraten können, fehlende Schutzausrüstung und mangelnde Kenntnis der Verkehrsregeln machen E-Scooter zu einem ernstzunehmenden Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr.
E-Scooter sind kein Spielzeug. Sie sind Elektrokleinstfahrzeuge, für die alle Regeln und Risiken des Straßenverkehrs zu beachten sind. Hier appelliere ich besonders an die Eltern, denn Kinder unter 14 Jahren dürfen und sollten keine E-Scooter fahren. Auch Alkohol und E-Scooter sind eine gefährliche Kombination, die gerne unterschätzt wird. In 174 Fällen war eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit die Unfallursache. Das ist ein besorgniserregender Anstieg von 47,5 Prozent im Vergleich zu 2024.
Die Polizei verfolgt in Hessen einen umfassenden Präventionsansatz – die sogenannte 3-E-Strategie –, um die Risiken des E-Scooter-Fahrens zu reduzieren. Hierzu gehören straßenbauliche Maßnahmen (Engineering), aufklärerische Maßnahmen (Education) und polizeiliche Maßnahmen (Enforcement). Bewährt hat sich die seitens des Polizeipräsidiums Frankfurt gestartete Präventionskampagne zur Fußballeuropameisterschaft 2024. Hierzu wurden sogenannte „Door-Hanger“ mit Hinweisen zur Nutzung von E-Scootern an den Fahrzeugen angebracht. Diese Kampagne wird im Polizeipräsidium Frankfurt auch in diesem Jahr fortgesetzt.“
Hohe Risikobereitschaft und fatale Folgen bei jungen Fahrern
Die Unfallzahlen von jungen Fahrern im Alter von 18 bis 24 Jahren steigen seit fünf Jahren kontinuierlich. In 2025 verzeichnete Hessen 27.338 Unfälle (2024: 26.321). Bei den tödlich verunglückten jungen Erwachsenen gab es einen dramatischen Anstieg um 30 Prozent auf 26 Tote (2024: 20). Davon starben 13 junge Menschen bei PKW-Unfällen und acht bei Motorrad-Unfällen. Die Hauptursachen sind ungenügender Sicherheitsabstand und nicht angepasste Geschwindigkeit.
Innenminister Poseck hob mit Blick auf die besorgniserregende Entwicklung bei jungen Fahrern die Bedeutung von Prävention hervor: „Viele junge Fahrer unterschätzen die Gefahren und überschätzen ihre Fähigkeiten. Mit unserem Präventionsprogramm ‚CrashKurs Hessen‘, das wir 2025 flächendeckend in ganz Hessen eingeführt haben, klären wir gezielt über die Risiken von Alkohol, Drogen, Ablenkung und Raserei auf. Das Programm richtet sich an junge Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren. Bei diesen Veranstaltungen berichten auch Angehörige der Rettungskräfte von ihren Erfahrungen mit schweren Unfällen. Diese emotionale Aufklärung zeigt Wirkung, aber wir müssen weiter dranbleiben.“
Alkohol und Drogen sind eine unterschätzte Gefahr
Die Unfälle unter Alkohol- und Drogeneinfluss bleiben auf einem konstant hohen Niveau. 2025 gab es 3.399 Unfälle, bei denen Alkohol oder berauschende Mittel eine Rolle spielten (davon 1.281 mit Personenschaden). 18 Menschen kamen dabei ums Leben.
Besonders der Konsum von Cannabis im Straßenverkehr führt vermehrt zu Unfällen. Seit der Teillegalisierung im April 2024 und der Anhebung des THC-Grenzwerts auf 3,5 Nanogramm/ml im Sommer 2024 ist eine Zunahme der Unfälle unter Cannabiseinfluss festzustellen. Allein unter THC-Einfluss gab es im letzten Jahr in Hessen zwei Tote und 12 Schwerverletzte. Noch gefährlicher wird es im Mischkonsum mit Alkohol. Hier verzeichneten wir 14 Schwerverletzte. In Kombination mit anderen berauschenden Mitteln und Alkohol gab es ein Todesopfer und 13 Schwerverletzte im letzten Jahr.
Der Minister ergänzte mit Blick auf berauschende Mittel im Straßenverkehr: „Wer bekifft oder betrunken fährt, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere. Die Legalisierung von Cannabis bedeutet für die Polizei deutlich erschwerte Kontrollmöglichkeiten. Legal und illegal verschwimmen jetzt, was zu zahlreichen komplexen Abgrenzungsfragen im polizeilichen Alltag führt. Die Erhöhung des THC-Grenzwerts halte ich für besonders gefährlich, da die Wirkung von Cannabis und der Abbau der Droge schwer einzuschätzen sind. Vor allem in Verbindung mit Alkohol birgt Cannabis eine unberechenbare Gefahr für den Straßenverkehr.
Ich bleibe bei meiner Meinung, dass die Legalisierung von Cannabis ein Fehler war, der uns als Gesellschaft geschadet hat.“
Sensibilisierung von Kindern im Straßenverkehr bleibt entscheidend
Sieben Kinder im Alter von einem bis 14 Jahren haben im letzten Jahr im Straßenverkehr ihr Leben verloren (2024: 4). Insgesamt kam es zu 1.710 Unfällen mit Kinderbeteiligung (+8,5%, 2024: 1.576). Die häufigste Ursache war dabei das Betreten der Fahrbahn ohne auf den Verkehr zu achten. Insgesamt sind 78 unter 14-Jährige mit E-Scootern verunglückt, davon 10 schwer.
Innenminister Poseck führte dazu aus: „Eltern, Erzieher und Polizei müssen hier an einem Strang ziehen, damit unsere Kinder sicher am Straßenverkehr teilnehmen können. Die hessische Polizei setzt auf Prävention. Mit der Aktion ‚Blitz For Kids‘ führen wir Geschwindigkeitskontrollen vor Schulen gemeinsam mit Schülern durch. In den Jugendverkehrsschulen wurden allein im Schuljahr 2024/2025 über 3.000 Grundschulklassen in der Radfahrausbildung geschult.
Aber auch Eltern müssen ihre Verantwortung wahrnehmen und ihre Kinder von klein auf für die Gefahr des Straßenverkehrs sensibilisieren.“
Sicher im Straßenverkehr in jedem Alter
Die Zahl der Fahrradunfälle (inkl. Pedelecs) stieg auf 4.373 (+ 5,8%, 2024: 4.133). 12 Menschen starben, 418 wurden schwer verletzt. Bei Pedelecs gab es 1.488 Unfälle (+18,9%, 2024: 1.252 %), 8 Tote und 1.225 Verunglückte. Die häufigsten Ursachen für Unfälle waren dabei falsche Fahrbahnbenutzung und eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit.
In der Altersgruppe ab 65 Jahren ereigneten sich insgesamt 30.928 Unfälle (2024: 29.302), dabei verunglückten 3.321 (2024: 3.155) Menschen, 59 davon tödlich (2024: 69). Die Hauptursachen waren Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren sowie ungenügender Sicherheitsabstand. Mit dem Präventionsprojekt „MAXimal mobil bleiben – mit Verantwortung“ werden in Hessen ältere Menschen für die Herausforderungen des Straßenverkehrs sensibilisiert.
Weiterhin hohes Risiko für Motorradfahrer
Im letzten Jahr sind 36 Motorradfahrer tödlich in Hessen verunglückt. Damit sind im Vergleich zu 2024 zwei Personen weniger durch Unfälle mit dem Motorrad ums Leben gekommen (2024: 38). Allerdings stieg die Zahl der Schwerverletzten um 14,1 Prozent auf 435. Die häufigste Unfallursache bleibt überhöhte Geschwindigkeit (530 Fälle in 2025).
Der Minister betonte: „Mit unserem ‚Bike-Konzept Hessen‘ und den ‚Biker-Safety-Touren‘ setzen wir auf Aufklärung und Kontrollen, um die Sicherheit für Motorradfahrer zu erhöhen. Motorradfahren ist Leidenschaft von vielen Menschen, aber es bleibt riskant. Durch hohe Geschwindigkeiten und eine fehlende Knautschzone kann ein kleiner Fehler fatale Folgen haben. Ich appelliere an alle Motorradfahrer, dass sie vorsichtig fahren und Schutzkleidung tragen – auch ein Sicherheitstraining nach der Winterpause kann von Vorteil sein.“
Verkehrsunfallflucht
Die Verkehrsunfallflucht bleibt weiterhin ein großes Problem. Insgesamt 45.447 Fälle (2024: 44.659) im letzten Jahr zeigen, dass zu viele Verkehrsteilnehmer sich ihrer Verantwortung entziehen. 1.992 dieser Fluchten endeten mit Personenschaden. Roman Poseck führteabschließend aus: „Fahrerflucht ist inakzeptabel. Wer einen Unfall verursacht, muss helfen, die Polizei informieren und die Konsequenzen tragen. Wer einfach weiterfährt, handelt nicht nur illegal, sondern auch moralisch verwerflich.“
Die hessische Polizei registrierte 2025 im Schnitt:
- Alle 3,5 Minuten einen Unfall im Straßenverkehr.
- Alle 20 Minuten eine verunglückte Person.
- Vier Verkehrstote pro Woche.
- Vier Unfälle mit E-Scootern pro Tag.
- Alle 19 Minuten einen Unfall mit einem jungen Fahrer (18–24 Jahre).